Pressekonferenz der AWO Saarland Stiftung

Kinderarmut ist ein Thema, das viel näher an uns dran ist, als viele wahrhaben wollen. Es ist ein Problem der unmittelbaren Nachbarschaft. Wie drängend die Probleme der betroffenen Familien sind und wie wichtig die Hilfen der AWO Saarland Stiftung hier sind, war Gegenstand einer Pressekonferenz mit Peter Gillo, dem Stiftungsratsvorsitzenden der AWO Saarland Stiftung, im Kinder- und Elternbildungszentrum KIEZ in Burbach.

Alle Saarländischen Medien waren gekommen, um im Nachgang zum Saarbrücker Sozialstaatskongress über Probleme in vielen Saarländischen Familien Beispiele aus erster Hand zu erfahren. „Wir müssen heute feststellen, dass wir im Saarland 25 Prozent Kinder haben, die als armutsgefährdet eingestuft werden müssen und wir in bestimmten Wohngegenden sogar zwei Drittel der Familien im Leistungsbezug haben“, sagte Peter Gillo einleitend. Die Familien hätten vielfach keine Chance, ohne fachliche Unterstützung dem Teufelskreis zu entfliehen. Das merke man schon daran, dass viele die ihnen zustehenden Anträge bei den Ämtern gar nicht stellten. „Sie sind mit den Formularen überfordert, müssen ihre Kinder versorgen oder haben Sprachbarrieren. Sie nutzen das, was ihnen zusteht, nicht einmal aus“, erklärte Gillo, der als langjähriger Direktor des Regionalverbandes Saarbrücken guten Einblick in die Thematik hat. „Aufgrund der behördlichen Prüfpflichten können die Ämter auch häufig nicht schnell genug reagieren“, erklärte Gillo. Und das auch dann, wenn Hilfe schnellstmöglich notwendig sei.

Beispiele solcher zeitkritischer Hilfen konnte Silke Stäcker benennen, die als Bereichsleiterin im AWO Sozialraumbüro Malstatt in der Jugendhilfe arbeitet und viele betroffene Familien berät. Sie berichtete von unverschuldeten Stromsperren, von einem täglichen Kampf um geregelte Mahlzeiten und Kindern, die in Saarbrücken auf dem Boden schlafen müssten, weil kein Geld für ein Kinderbett da sei. Sie berichtete von Kindern, die sich Schulfreizeiten nicht leisten könnten, von fehlenden Schulmaterialien und Hunger. Die AWO Saarland Stiftung leistet hier gezielte Einzelfallhilfen immer dann, wenn Mitarbeitende der AWO extrem dringende Sofortbedarfe feststellten. „Dann stellen diese Mitarbeitenden einen Antrag bei der Stiftung und wir können meist innerhalb 48 Stunden und oft auch schneller das Problem lösen“, erklärte Gillo. Als Musterbeispiel nannte er in Kooperation mit dem Discounter ALDI ausgegebene Lebensmittelgutscheine, die sehr häufig vor Wochenenden ausgegeben würden, an Obdachlose und auch an arme Familien. Mit diesen Gutscheinen könnten nur Lebensmittel eingekauft werden, sie deckten die Notlage bei den Tafeln, die vielfach wegen Aufnahmestopps keine Lebensmittel mehr an neu angemeldete Personen abgeben würden.

Auch bei Schulbedarf werde oft geholfen, damit Kinder unterbrechungsfrei lernen könnten und Ausgrenzungen im Schulalltag vermieden werden. Das Spendenaufkommen der Stiftung sei stabil, sie habe seit ihrer Gründung 2009 rund eine Million Euro an notleidende Familien ausschütten können. Die Stiftung finanziere außerdem Nachhilfestunden für Kinder in Burbach und fördere Projekte der Armutsbekämpfung.

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